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MASCH - Marxistische Abendschule Hamburg. Forum für Politik und Kultur e.V. ***********

Veranstaltungen im Winter 2o17/18


Alfred Schröder / Heiner Karuscheit
Die unverstandenen Revolutionen
Russland im Jahre 1917

"Entgegen den Vorstellungen der Ereignishistoriographie erweist sich nicht der bolschewistische Oktober, sondern der 'demokratische Februar' als der kritische Punkt im Jahr 1917", schreibt W. Hedeler in einer Sammelrezension zu den aktuellen Neuveröffentlichungen zu den russischen Revolutionen. Und dies völlig zu Recht.
Während die marxistische Linke die Februarrevolution zumeist nur als Vorspiel des Oktobers sah, betrachtete die bürgerliche Geschichtsschreibung mehrheitlich den Februar als einzige russische Revolution, deren demokratische Entwicklungsmöglichkeiten durch den bolschewistischen Staatsstreich im Oktober beendet wurden.
"Die Februarrevolution hatte kein Glück in der sowjetischen Geschichtsschreibung" schrieb D. Anin vor über 40 Jahren und man kann ergänzen, auch bei der marxistischen Geschichtsschreibung außerhalb der Sowjetunion blieb die Behandlung der Februarrevolution zumeist im Schatten des Oktobers. Dabei liegt im Verlauf und Ergebnis der Februarrevolution 1917 der Schlüssel zum Verständnis des gesamten Revolutionsjahres und der anschließenden Entwicklung bis hin zur "Neuen ökonomischen Politik".
Nur wenn es gelingt, die ideologischen Überfrachtungen der politischen Ereignisse zu überwinden und die tatsächlichen Klassenkräfte und ihre politischen Ausdrucksformen in der "Ereignishistoriographie" hervortreten zu lassen, wird es möglich sein, Lehren aus dem Verlauf der russischen Revolutionen zu ziehen.

Im einführenden Referat werden deshalb folgende Fragen aufgeworfen:

- Die gesellschaftlichen Kräfte vor der Revolution.
- Die Machtkonstellation nach dem Februar - eine Doppelherrschaft?
- Kornilow oder die Schwäche der russischen Bourgeoisie.
- Oktoberrevolution oder bolschewistischer Putsch?

Eine Veranstaltung der MASCH-Hochschulgruppe.

Referenten: Alfred Schröder / Heiner Karuscheit (Gelsenkirchen)
Termin: Dienstag, 24.1o.2o17, 19:oo Uhr
Ort: Universität Hamburg, Von-Melle-Park 9 (ex HWP, Aufgang B), Raum B 528



MASCH-Tagung
150 Jahre „Das Kapital“ von Karl Marx

Vor 150 Jahren wurde der erste Band des marxschen Kapital in Hamburg in erster Auflage gedruckt. Mit dieser Tagung möchten wir deutlich machen, dass das Buch nach wie vor für die Analyse und Kritik der gegenwärtigen Gesellschaft wesentlich ist. Wir leben immer noch in derselben Gesellschaft, deren Struktur und Kritikwürdigkeit Marx bereits im vorletzten Jahrhundert offenlegte.
Anlässlich des Jubiläums sollen die ersten fünf Kapitel des ersten Bandes des Kapitals im Mittelpunkt stehen. Diese Kapitel haben grundlegenden Charakter für Marx‘ Theorie der kapitalistischen Gesellschaft und behandeln bereits implizit oder explizit zahlreiche überaus relevante und aktuelle Themenkomplexe. Dies betrifft etwa die Begriffe von Wert und Gebrauchswert, Wissenschaft und Ideologie, Arbeit und Ausbeutung, Herrschaft und Klasse, Gesellschaft und Natur.

Weitere Informationen finden Sie auf der Tagungsseite: http://kapital.masch-hamburg.de/

Eine Veranstaltung der MASCH-Hochschulgruppe.

Termin: Samstag, 11. November 2o17, 1o.oo-17.3o Uhr
Ort: Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Allee 1 (Hauptgebäude), Hörsaal K



Björn Oeller / Paul Stegemann
Die Deutung des Nationalsozialismus durch das Frankfurter Institut für Sozialforschung

Der Marxismus – die in der Tradition von Karl Marx stehende Theorie der Gesellschaft - befindet sich in den 1920er Jahren in einer Krise. Sie zeigt sich insbesondere darin, dass der aufkommende Faschismus aus marxistischer Sicht theoretisch nicht erklärt werden kann. Weitgehend wird der Sozialismus aus einem deterministischen Geschichtsverständnis heraus – d.h. er wird als eine auf die kapitalistisch unweigerlich folgende historische Phase gesehen – und als technische Naturbeherrschung gedeutet. Diese Überbetonung der objektiven Faktoren lässt die subjektive Seite – der Wille der Beherrschten zur (Un-)Freiheit – aus dem Blick schwinden.
Die Erklärungsansätze des orthodoxen Marxismus verstellen insofern die theoretische Erklärung des Nationalsozialismus, weil zwar einerseits die ökonomischen und herrschaftlichen Interessen der Großindustrie und deren Rolle bei der Förderung der Nationalsozialisten erklärt werden können, aber gerade nicht die millionenfache Unterstützung, die die NSDAP und ihre Organisationen erfahren. Marxistische Theorie war nicht fähig, einen Begriff des Nationalsozialismus zu entwickeln, weil sie die Integration des Bewusstseins der Subjekte nicht (ausreichend) reflektierte.
Dies lässt sich exemplarisch an einer in den späten 1920er bis frühen 1940er Jahren theoretisch führenden Institution, dem in Frankfurt gegründeten Institut für Sozialforschung zeigen. Insbesondere mit der Übernahme der Leitung des Instituts durch Max Horkheimer (1895-1973) im Jahre 1931 kommt einerseits eine programmatische Wende in der Ausrichtung des Instituts zum Tragen, auf der anderen Seite zeigt sich eine inhaltliche Kontinuität zu der vorausgegangenen Forschungspraxis unter dem orthodox-marxistischen Institutsleiter Carl Grünberg. Hieran lässt sich zeigen, welche Probleme bei der am traditionellen Marxismus orientierten Erklärung des Faschismus, insbesondere des Nationalsozialismus, existieren und warum auch das Institut für Sozialforschung – trotz seines umfassenden interdisziplinären Ansatzes – eine solche Erklärung allenfalls in Ansätzen entwarf.

Aufsätze:

- Die Frühphase des Instituts für Sozialforschung und die Krise des Marxismus

- Horkheimers Analyse des Faschismus und ihre Voraussetzungen

Eine Veranstaltung der MASCH-Hochschulgruppe.

Referent: Dr. Björn Oeller / Paul Stegemann (Hamburg)
Termin: Freitag, 19.o1.2o18, 18:oo Uhr
Ort: Universität Hamburg, Allendeplatz 1 (Pferdestall), 2. Stock, Raum 245



Buchvorstellung
Hans-Ulrich Stauffer "Eritrea - der zweite Blick"

Ein Vierteljahrhundert nach Erlangung der Unabhängigkeit steckt Eritrea in einer Krise. Zehntausende junge Menschen verlassen das Land, dem Regime werden Menschenrechts­verletzungen vorgeworfen, periodisch kommt es zu Scharmützeln mit Äthiopien. Was steckt dahinter? Hans-Ulrich Stauffer befasst sich seit über vier Jahrzehnten mit Entwicklungsprozessen Afrikas und kennt Eritrea noch aus der Zeit des Unabhängigkeitskriegs. 2017 hat er nach neuerlichen Recherchen mit dem Buch „Eritrea - der zweite Blick“ einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über dieses Land vorgelegt. Wichtig ist dieses Buch zunächst, weil es überhaupt nur wenige deutschsprachige Publikationen zu Eritrea gibt. Stauffers Buch gewinnt darüber hinaus dadurch an Wert, dass es sich um ein objektives Verständnis des Landes und seiner Situation bemüht, während viele gängige Beiträge und Berichte stark von der Ideologie der westlichen Staaten geprägt sind.

Eine Veranstaltung der MASCH-Hochschulgruppe in Kooperation mit der Heinrich-Heine-Buchhandlung.

Download des Flyers

Referent: Dr. iur. Hans-Ulrich Stauffer (Basel)
Termin: Dienstag, o6.o2.2o18, 2o:oo Uhr
Ort: Heinrich-Heine-Buchhandlung, Grindelallee 28

Hinweise
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Buchpräsentation auf den Linken Buchtagen 2016 (Audio-Mitschnitt):
Tagungsband: Aufhebung des Kapitalismus
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