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MASCH - Marxistische Abendschule Hamburg. Forum für Politik und Kultur e.V. ***********

Veranstaltungen im Winter 2o18/2o19


Paul Stegemann
Zur Massenpsychologie des Faschismus – Wilhelm Reichs
Kombination von Marxismus und Psychoanalyse

Als der Nationalsozialismus in Deutschland einen immer größeren Einfluss gewann, nahm dies der damalige Kommunist und Psychoanalytiker Wilhelm Reich (1897-1957) zum Anlass über die Motive nachzudenken: Warum kommt es zu der massenhaften Unterstützung faschistische Bewegungen? Dem orthodoxen Marxismus zufolge müsste der Kapitalismus aufgrund seiner Krisenhaftigkeit unweigerlich auf sein Ende zulaufen: Die Weltwirtschaftskrise von 1929 hätte demnach in eine proletarische Bewegungen und revolutionäre Umwälzung münden müssen. Aber dies blieb aus, stattdessen kam es zu „einer extremen Rechtsentwicklung in der Ideologie der proletarisierten Schichten“. Die marxistischen Faschismustheorien konnten die Massenunterstützung für die faschistischen Bewegungen nicht erklären. Reichs Verdienst besteht darin, zeitgleich zum „Anwachsen der reaktionären Flut in Deutschland“, eine theoretische Kritik unternommen zu haben. Die Ende 1933 publizierte „Massenpsychologie des Faschismus“ ist die erste Schrift, die sich mit der Frage der Bildung von autoritären Charakteren auseinandersetzt.
Wilhelm Reich war um 1930 einer der exponiertesten Vertreter, die eine Kombination von Marxismus und Psychoanalyse unternommen haben. Die Zuhilfenahme der Psychoanalyse wird nach Reich notwendig, um Erklärungslücken des Marxismus zu füllen. So ging es Reich darum „die psychischen Auswirkungen der Produktionsverhältnisse im Individuum“ zu klären, also den Bildungsprozess von Ideologien im Kontext von sozio-ökonomischer und triebtheoretischer Lage zu analysieren: um so die in der Sozialisation erfahrenen Deformierungen aufzuklären. Reich setzt indessen nicht nur eine bestimmte Form des Marxismus, sondern auch eine naturwissenschaftliche Psychoanalyse voraus. Wenn die Kritik in beide Richtungen entfaltet wird, können die gesellschaftsgeschichtlichen Voraussetzungen reflektiert werden. Denn die Aktualität der Fragestellung, das Verhältnis zwischen Gesellschaftsform und Bewusstseinsformen der Einzelnen, wird durch die gegenwärtige Realität nachdrücklich belegt.

Eine Veranstaltung der MASCH-Hochschulgruppe.

Referenten: Paul Stegemann (Hamburg)
Termin: Dienstag, 23.1o.2o18, 18:3o Uhr
Ort: Universität Hamburg, Allende-Platz 1 (Pferdestall), 2.Stock, Raum 250



Björn Oellers
Neoliberalismus und AfD

Die neoliberale Lehre ist autoritär. Ihrem Bekenntnis nach soll sie dem Individuum und der Freiheit dienen, doch ihre Konsequenzen sind genau dagegen gerichtet. Dies lässt sich an den Schriften eines der führenden neoliberalen Autoren, Friedrich August von Hayek, zeigen. Zwar will er seine Lehre als Mittel gegen totalitäre Verhältnisse verstanden wissen, allerdings zeigen sich die Ursprünge ebendieser, insbesondere des Nationalsozialismus, in der Theorie des Neoliberalismus, die nach der „freiwilligen Konformität“ und „Anpassung des Individuums“ an die bestehenden Verhältnisse strebt. Die AfD knüpft an diesen autoritären Gehalt des Neoliberalismus an, indem sie Marktwirtschaft und Volk verbindet. An ihr zeigt sich, dass die neoliberale Lehre und ein völkisches Weltbild weitgehende Gemeinsamkeiten haben.

Eine Veranstaltung der MASCH-Hochschulgruppe.

Referent: Dr. Björn Oellers (Hamburg)
Termin: Donnerstag, o8.11.2o18, 18:3o Uhr
Ort: Universität Hamburg, Allende-Platz 2 (Institut für Bodenkunde, Bunker gegenüber vom Pferdestall), Hörsaal (EG)



Max Pichl
Kritische Gesellschaftstheorie und Rechtsruck

Die ältere Kritische Theorie entstand im Kontext eines präfaschistischen Europas. Die Schriften der ersten Jahre sind dominiert von der Frage, wie die "autoritäre Revolte“ (Volker Weiss) durch eine gesellschaftstheoretische Perspektive in der materialistischen Tradition von Karl Marx der Kritik ausgesetzt werden kann. In dem Vortrag werden zentrale Aspekte der kritischen Gesellschaftstheorie rekonstruiert und auf aktuelle Beispiele des Rechtsrucks angewendet. Behandelt werden die Ideologie des völkischen Denkens durch Herbert Marcuse und die Analysen zu faschistischer Propaganda durch Leo Löwenthal und der Situation der beherrschten Klassen von Franz Neumann.

Maximilian Pichl, hat Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft studiert und arbeitet an der Universität Kassel. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Asylrecht, Polizeirecht, Kritische Rechtstheorie und der NSU-Komplex.

Eine Veranstaltung der MASCH-Hochschulgruppe.

Referent: Maximilian Pichl (Kassel)
Termin: Donnerstag, 29.11.2o18, 18:oo Uhr
Ort: W3 - Werkstatt 3, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg

Hinweise
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Tagungsband: Aufhebung des Kapitalismus
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